Unser Tipp für Sie
Alles, was man heute von der Stellerschen Seekuh noch finden kann, ist ihr Skelett im Naturhistorischen Museum in Helsinki.
Angefangen hat ihr Ende, als der russische Zar im Jahr 1741 eine Expedition ins Nordmeer schickt, um einen Seeweg nach Amerika zu finden. Mit an Bord ist der deutsche Naturwissenschaftler Georg Wilhelm Steller, der akribisch alles Unbekannte sammelt und aufzeichnet. Als die Expedition in der Beringsee strandet, ist es die riesige, unförmige, träge und wohlschmeckende Seekuh, die die Mannschaft rettet. Steller vergräbt ein Skelett, um es später abzuholen – was er nicht mehr schafft.
Mehr als 100 Jahre später ist die Seekuh ausgestorben. Das Skelett wird geborgen und später nach Finnland verfrachtet. In den 50-er Jahren schließlich erfährt das Skelett eine neuerliche Restauration für eine große Ausstellung im finnischen Naturkundemuseum in Helsinki, wo es heute noch zu bestaunen ist.
Ein sehr lebendig und faszinierend erzähltes Stück Natur-Geschichte zwischen Fakten und Fiktion.
Sabine Hunzinger
Beschreibung
Drei Jahrhunderte, ein mächtiges, friedliebendes Geschöpf und die Lebenswege der Menschen, die von ihm angezogen sind. Iida Turpeinen erzählt in 'Das Wesen des Lebens' ausgehend von der ausgestorbenen Stellerschen Seekuh von obsessiven Sammlern und rastlosen Wissenschaftlern, von begeisterten Naturschützern und den Frauen, die an Naturerforschungen immer schon beteiligt waren. Sie zeigt, wie wir Menschen vom unbedingten Begehren nach Erkenntnis angetrieben werden - und wie wir dafür die unwiderrufliche Zerstörung der Natur in Kauf nehmen. Ob auf Großer Nordischer Expedition in der Beringsee im 18. Jahrhundert, 100 Jahre später in der russisch-amerikanischen Kompanie in Nowo-Archangelsk in Alaska oder Mitte des 20. Jahrhunderts auf den Vogelinseln vor Helsinki: Turpeinen lässt uns mit ihrer berührenden Erzählkunst unsere Welt und das Wunder des Lebens mit neuen Augen sehen und verstehen, wie alles mit allem verbunden ist. 'Dieses Buch werden Sie bewegt und mit angehaltenem Atem lesen.' Helsingin Sanomat Aus dem Finnischen übersetzt von Maximilian Murmann
Über Iida Turpeinen
Iida Turpeinen, geboren 1987, ist fasziniert von den literarischen Möglichkeiten wissenschaftlicher Forschung sowie von den Kuriositäten und verblüffenden Details, die sich in der Wissenschaftsgeschichte finden lassen. Sie lebt in Helsinki und arbeitet derzeit an einer Dissertation über das Verhältnis von Naturwissenschaft und Literatur. Schon Turpeinens frühe Kurzgeschichten über die Beziehung zwischen Mensch und Tier wurden mit Preisen ausgezeichnet, 'Das Wesen des Lebens' ist ihr erster Roman, der derzeit in über 20 Sprachen übersetzt wird und jetzt schon das erfolgreichste finnische Debüt aller Zeiten ist. Maximilian Murmann, geboren 1987, studierte in München, Helsinki und Budapest Finnougristik, Allgemeine Sprachwissenschaft und Germanistische Linguistik. 2018 erfolgte seine Promotion. Er übersetzt aus dem Finnischen und Estnischen u. a. Jaan Kross, Karl Ristikivi, Eeva-Liisa Manner, Juhani Karila und Sofi Oksanen und lebt in München.